Hopfen und Malz 2 +++ Unterwegs 4 +++ Deutsche Comicforschung 2017

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Hopfen und Malz 2 +++ Unterwegs 4 +++ Deutsche Comicforschung 2017

 Neue Comic-Gesamtausgaben und Sekundärliteratur von comicplus+ - Hopfen und Malz 2 +++ Unterwegs 4 +++ Deutsche Comicforschung 2017

 

Jean van Hamme gilt als einer der populärsten unter den Comic-Autoren. Serien wie XIII und Thorgal treffen den Nerv des Publikums. Kürzlich veröffentlichte comicplus+ den zweiten Band einer schönen Gesamtausgabe von van Hammes Bierbrauer-Saga HOPFEN UND MALZ.

Im vierten Band der UNTERWEGS-Gesamtausgabe geht es diesmal um den Nordirlandkonflikt bzw. um Menschenhandel und die Russenmafia. Außerdem erschien der 13. Band DEUTSCHE COMICFORSCHUNG. Seit der ersten Ausgabe 2005 ist da viel an sehr interessanten Erkenntnissen aus Comic- und Kulturgeschichte zusammengekommen.

Die Saga der Bierbrauerfamilie Steenfort ist sehr spannend aufgebaut und führt den Leser durch die Zeit und mehrere Generationen der Familie. Das macht die Story besonders. Die Steenforts sind alles Schlitzohren, denen das Geschäft weit mehr bedeutet als Familie und Menschlichkeit. Schon Charles Steenfort gibt die Frau, die er liebt, für ein Geschäftsmodell auf, und auch seine Nachfahren gehen immer wieder äußerst brutal ans Werk, um ihre Ambitionen zu verfolgen. Jean van Hamme bettet die Industrie-Geschichte des Biers in eine Familiensaga voller Intrigen und zwischenmenschlicher Gemeinheiten, die den Leser immer wieder fesselt und überrascht. Die ursprünglich sieben Alben plus Sonderband hat comicplus+ in drei opulente Hardcoverbände mit sehr gelungener Optik gepackt und mit zusätzlichen Informationen zu den Autoren und ihrem Lieblingsgetränk versehen. Der dritte Band der Saga erscheint im März 2017. Die wunderschönen Zeichnungen von Francis Vallès wirken auch heute noch frisch und aktuell.

Mit UNTERWEGS nahm Autor Daniel Ceppi etwas vorweg, das in den 70er Jahren noch so gut wie unbekannt war: die Comicreportage. In den bei Casterman erschienenen sieben Alben stand zwar noch der Abenteuercharakter der Erzählung im Vordergrund, in den ab Mitte der 90er geschaffenen Episoden aber schilderte Ceppi Stephans Erlebnisse vor dem Hintergrund von Politik und Gesellschaft. Diese Reifezeit der Serie liegt auf Deutsch bisher nicht vor und wird ab Band 3 der Gesamtausgabe erstmals veröffentlicht.
Dass sich aus den ersten Anfängen einmal eine langlebige Serie entwickeln würde, war zunächst überhaupt nicht abzusehen. Daniel Ceppi arbeitete Anfang der 70er als Grafiker in der Werbung. Daneben hatte er ein Faible fürs Schreiben entdeckt, und so sollte eigentlich auch Stephans Geschichte zunächst als Krimi erscheinen. Das Schreiben wollte nicht recht vorangehen, Ceppi ergänzte die Texte durch Illustrationen, und irgendwann war es soweit, dass daraus ein Comic wurde. Das Comiczeichnen war ein Hobby, das Ceppi nur in seiner freien Zeit verfolgen konnte, und so dauerte die Fertigstellung von „Le guêpier“ – auf deutsch „Das Wespennest“ – volle zwei Jahre.
Schon in „Die tödliche Quelle“ zeichnete sich ab, welchen Weg der Autor Daniel Ceppi einzuschlagen gedachte. Die Betonung liegt auf „Autor“, denn „Unterwegs“ ist, wenn man es in seiner Gänze betrachtet, nicht nur ein zeichnerisches Werk, sondern die Stellungnahme eines Autors zu der Welt, in der er sich bewegt. Dieser Comic ist Dokumentation und Kommentar zugleich.
Ceppi wird insbesondere in den zwischen 1995 und 2012 erschienenen Bänden der Serie gesellschaftspolitische Fragen anschneiden, die die von der Hauptfigur Stephan Clément „bereisten“ Länder betreffen. So geht es in „Pondichery“ um den Handel mit Organen in Indien, in „Belfast“ um den Nordirlandkonflikt, in „Vanina Business“ um Menschenhandel und die Russenmafia, in „L’or bleue“ um Wasser für Syrien und in „L’ivoire de Sheila McKingsley“ um illegalen Antiquitätenhandel. In „L’engrenage turkmène“ und „Le Piège Ouzbek“ stehen die Probleme der südlichen Länder der ehemaligen Sowjetunion im Vordergrund. War Stephan Clément in der ersten Staffel der Serie, also den bis 1986 erschienenen Alben, auf seinen Reisen quasi dem Schicksal ausgeliefert, so hat er zehn Jahre später an Reife und Handlungsfreiheit gewonnen.

Der neue Band von DEUTSCHE COMICFORSCHUNG, des Standardwerks zur Erforschung der Bild-Erzählung im deutschen Sprachraum, bringt unter anderem Artikel zu Lothar Meggendorfer, zu Kurt Ludwig Schmidt alias KASCH, zu einem 60er-Jahre-Propagandacomic der CDU, zum 1. Deutschen Comic-Congress 1973 und zur Geschichte des Wortes Comic im deutschen Sprachgebrauch.

In mehrjähriger Arbeit haben der Herausgeber Eckart Sackmann und seine Mitarbeiter ein wissenschaftliches Kompendium der deutschsprachigen Comicliteratur geschaffen, wie man es in dieser Anschaulichkeit in keinem anderen Land findet. Auf über 1800 Seiten mit rund 4000 zumeist farbigen Abbildungen bieten die bisher erschienenen 13 Bände umfassende Informationen über den deutschsprachigen Comic. Die Reihe „Deutsche Comicforschung“ wird mit einem Band pro Jahr fortgesetzt. Er erscheint jeweils im Dezember und verweist im Titel auf das kommende Jahr (aktuell: DEUTSCHE COMICFORSCHUNG 2017).

DEUTSCHE COMICFORSCHUNG 2017 INHALT

  • Comics – vom Schimpfwort zum Lehnwort
  • Rinaldo Rinaldini als Comic-Held
  • Lothar Meggendorfer – der Verwandlungskünstler
  • Antisemitische Bildergeschichte der Kaiserzeit: „Das Lied vom Levi“
  • Johannes Thiel – Geschichten aus dem Zwergenland
  • Die Wespe und die Schwaben von der Donau
  • Gerhard Brinkmann: „Mickey Mouse“ von 1942
  • KASCH – Kurt Ludwig Schmidt
  • Wie es knallt und wie es pufft! „Gaby, das Atommädchen“
  • „Die spannendste Geschichte unserer Zeit“ – die Adenauer-PR
  • „Asterix“ – ein unbesiegbarer Gallier kommt über den Rhein
  • Der 1. Deutsche Comic-Congress Berlin 1973
von Michael Hüster
Quelle: PPM Vertrieb

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